Entzug — wo das Aufhören der gefährliche Teil ist
Entwurf · ungeprüftBei den meisten Substanzen ist Entzug unangenehm. Bei zweien ist er lebensgefährlich: bei Alkohol und bei Benzodiazepinen. Das ist die Umkehrung dessen, was die meisten erwarten.
Nach längerem täglichem Konsum kann das plötzliche Weglassen Krampfanfälle und ein Delir auslösen — beides mit Todesfolge. Der Ausstieg ist hier gefährlicher als der Konsum, und er gehört ärztlich begleitet. Das ist keine Vorsichtsformel: es ist der einzige Punkt auf dieser Seite, an dem das Weitermachen sicherer ist als das Aufhören ohne Hilfe.
Warum ausgerechnet diese beiden
Alkohol und Benzodiazepine verstärken beide dieselbe dämpfende Übertragung im Gehirn. Wer sie über Wochen täglich zuführt, dessen Nervensystem gleicht das aus: es fährt die dämpfende Seite herunter und die erregende hinauf. Solange die Substanz da ist, hält sich das die Waage. Fällt sie weg, bleibt ein Nervensystem übrig, das auf Gegendruck eingestellt ist und keinen mehr bekommt. Das Ergebnis ist Übererregung — Zittern, Herzrasen, Schlaflosigkeit, und in der Zuspitzung Krampfanfälle und ein Delir mit Verwirrtheit, Halluzinationen und Kreislaufentgleisung.
Bei Opioiden ist der Entzug quälend, aber selten tödlich. Die Gefahr liegt dort woanders: im Toleranzverlust danach. Wer nach zwei Wochen ohne wieder die gewohnte Menge nimmt, nimmt eine Menge, für die sein Körper nicht mehr eingerichtet ist. Ein sehr großer Teil der tödlichen Opioidüberdosierungen passiert genau in dieser Lage — nach Haft, nach Klinik, nach einem ernst gemeinten Versuch aufzuhören.
Der zeitliche Verlauf
Grobe Orientierung, kein Fahrplan — die Spannen sind groß:
Zittern, Schwitzen, Unruhe, Übelkeit. Die Phase, in der viele wieder trinken, weil es sofort hilft.
Das Zeitfenster für Krampfanfälle. Sie treten auch bei Menschen auf, die nie zuvor einen hatten.
Das Delir: Verwirrtheit, Halluzinationen, Fieber, entgleister Kreislauf. Unbehandelt endet ein erheblicher Teil tödlich, behandelt sehr selten.
Später und länger, je nach Halbwertszeit. Bei den lang wirksamen kann es eine Woche dauern, bis es überhaupt anfängt — weshalb der Zusammenhang oft nicht hergestellt wird.
Der Ausstieg
Ausschleichen über Wochen bis Monate, ärztlich begleitet.
Bei Benzodiazepinen: Umstellung auf ein lang wirksames Präparat und dann schrittweise reduzieren.
Jemanden einweihen, der in den ersten Tagen erreichbar ist.
Bei Opioiden: an den Toleranzverlust denken und Naloxon dabeihaben.
Von heute auf morgen aufhören, „weil es sonst nie klappt“.
Den Entzug allein zu Hause durchstehen wollen.
Alkohol mit Benzodiazepinen ersetzen oder umgekehrt — das verschiebt nur, worauf der Körper eingestellt ist.
Warten, bis die Verwirrtheit da ist. Ab dort ist es ein Notfall.
Wo man Hilfe bekommt
Ein begleiteter Entzug läuft über Hausärztinnen, Suchtambulanzen und Beratungsstellen; die Wege unterscheiden sich je Land und ändern sich. Sie stehen auf den Länderseiten — Österreich, Deutschland, Schweiz —, wo sie einmal gepflegt werden.
[ANLAUFSTELLEN JE LAND DORT EINSETZEN — mit Stand-Datum]
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Der Krampfanfall ist der Verlauf, auf den es zulaufen kann; der Toleranzverlust erklärt die Gefahr nach der Pause.
Belege
Keine Werbung, keine Konten, keine Messung — und deshalb keine anderen Einnahmen.