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144 · 112

Bewusstlosigkeit, Krampfanfall, Atemnot — sofort anrufen.

substanzen / dissoziativa / ketamin

Ketamin

2-(2-Chlorphenyl)-2-(methylamino)cyclohexanon · C₁₃H₁₆ClNO
Dissoziativum Entwurf · ungeprüft

Blockiert den NMDA‑Rezeptor und trennt dadurch die Wahrnehmung vom Körpergefühl. In der Medizin ein Narkosemittel — die Sicherheitsspanne ist vergleichsweise groß, die Schutzreflexe fallen trotzdem aus.

Zwei Risiken, die kaum jemand auf dem Schirm hat

Die Blase. Häufiger Konsum schädigt die Harnblase dauerhaft — Schrumpfblase, ständiger Harndrang, Schmerzen; im fortgeschrittenen Stadium irreversibel und bis zur Entfernung. Das trifft junge Menschen nach Jahren, nicht nach Jahrzehnten. Und die Lage. Unter Ketamin fallen die Schutzreflexe aus: wer auf dem Rücken liegt und erbricht, erstickt daran. Immer auf die Seite.

Beschreibt Wirkungen und Risiken, empfiehlt keinen Konsum, ersetzt keine ärztliche Beratung. In Österreich und Deutschland verschreibungspflichtig und außerhalb der Medizin nicht legal verfügbar.

Wann davon abzuraten ist

Abraten

Bestehende Blasen- oder Nierenerkrankung, Bluthochdruck, Herzerkrankung, Psychose in der Vorgeschichte, Schwangerschaft.

Vorsicht

Alleinsein, Stehen oder Gehen unter Wirkung, Umgebungen mit Wasser, Höhe oder Verkehr. Die Sturzgefahr wird regelmäßig unterschätzt.

Wirkung

körperlich und kognitiv
Körperlich
sinkt
Schutzreflexe

Schlucken und Husten setzen aus. Erbrechen im Liegen ist bei dieser Substanz die reale Todesursache — und der Grund für die stabile Seitenlage.

sinkt
Schmerzempfinden

Stark herabgesetzt. Verletzungen werden nicht bemerkt, und das ist bei eingeschränkter Koordination ein eigenes Risiko.

sinkt
Koordination und Gleichgewicht

Ausgeprägt bis zur Bewegungsunfähigkeit. Stehen und Gehen sind ab mittleren Mengen ausgeschlossen.

steigt
Herzfrequenz und Blutdruck

Anders als andere Dämpfende treibt Ketamin beides eher hoch. Bei Bluthochdruck ist das zu bedenken.

steigt
Speichelfluss

Vermehrt — was zusammen mit den ausgesetzten Schluckreflexen die Bedeutung der Lage noch erhöht.

sinkt
Blase

Bei regelmäßiger Anwendung schrumpft die Blasenwand dauerhaft. Häufiger Harndrang und Schmerzen sind Frühzeichen eines Schadens, der bleibt.

Kognitiv
steigt
Abstand zum eigenen Körper

Die kennzeichnende Wirkung. Bei höheren Mengen bis zum vollständigen Abbruch der Verbindung zur Umgebung.

sinkt
Orientierung

Ort, Zeit und Situation gehen verloren. Von außen ist das nicht von einer Bewusstlosigkeit zu unterscheiden — deshalb wird auch so gehandelt.

sinkt
Erinnerung

An die Wirkphase bleibt oft wenig. Das erschwert es später, einzuordnen, was passiert ist.

in beide Richtungen
Stimmung

Antidepressive Wirkungen sind gut belegt und werden klinisch genutzt — unter kontrollierten Bedingungen und in anderen Mengen als hier.

Die linke Spalte enthält den Punkt, auf den es im Notfall ankommt: die Schutzreflexe. Er ist der Grund, warum die Lage der Person hier über alles andere entscheidet.

Dosierung

nasal · ohne toleranz
Stufe Nasal Erwartbar
Schwelle10–25 mgleichte Benommenheit
Leicht25–50 mgWärme, Koordination lässt nach
Normal50–100 mgdeutliche Dissoziation, Gehen unmöglich
Stark100–150 mgstarke Loslösung vom Körper
Sehr stark≥ 150 mgvollständige Dissoziation, keine Reaktion auf Umgebung

Tabelle seitlich verschiebbar →

!

Die Spanne zwischen „gut“ und „zu viel“ ist schmal und nicht linear. Zwischen normalem und starkem Bereich liegen oft nur 20 mg. Vor jeder Einnahme abwiegen statt schätzen; die letzte Linie ist selten so groß wie die erste.

Wirkdauer

Anflutung
5–15 min
Peak
20–30 min
Gesamt
45–90 min
Nachwirkung
1–2 h
Anflutung 15 min Peak 30 min Einnahme 36 min 72 min 1.8 h 2.4 h

Der zeitliche Verlauf, nicht die Stärke: die Höhe ist der Anteil am eigenen Höhepunkt und hat keine Einheit. Sie stammt aus denselben vier Werten wie die Tabelle darüber — die obere Grenze jeder Spanne, also der längere der beiden Verläufe. Die Nachwirkung reicht über die Achse hinaus, bis 3.5 h nach der Einnahme.

Die kurze Dauer verleitet zum Nachlegen. Genau daraus entsteht die häufigste Konstellation für Blasenschäden und für die Dosis, die niemand mehr überblickt — die Toleranz steigt innerhalb einer Nacht spürbar.

Pharmakologie

was im Körper geschieht
Angriffspunkt

Ketamin blockiert den NMDA-Rezeptor, über den ein großer Teil der erregenden Signalübertragung läuft. Es setzt sich dabei in den geöffneten Kanal — es wirkt also dort am stärksten, wo gerade viel Aktivität ist. Die Trennung von Wahrnehmung und Körpergefühl entsteht daraus, dass verschiedene Hirnregionen unterschiedlich stark betroffen sind: nicht Dämpfung, sondern Entkopplung. Das unterscheidet es grundlegend von Alkohol und Benzodiazepinen.

Warum die Atmung meist erhalten bleibt

Anders als Opioide und GHB drosselt Ketamin den Atemantrieb kaum, und der Blutdruck fällt nicht ab. Genau deshalb wird es in der Notfallmedizin eingesetzt. Das ist aber kein Sicherheitsversprechen: die ausgesetzten Schutzreflexe bleiben, und in Kombination mit einem zweiten Dämpfenden fällt der Vorteil weg.

Aufnahme

Nasal fünf bis fünfzehn Minuten, oral deutlich später und schwächer, weil ein großer Teil bei der ersten Leberpassage verloren geht. Die kurze Dauer verleitet zum Nachlegen in kurzen Abständen — und dabei summiert sich, was einzeln überschaubar war.

Abbau

Über CYP-Enzyme der Leber zu Norketamin, das selbst wirksam ist und länger bleibt als die Ausgangssubstanz. Das erklärt den Nachhang, der noch Stunden nach dem eigentlichen Ende spürbar ist.

Der Blasenschaden ist die Folge, die am häufigsten unterschätzt wird, weil sie schleichend kommt und nichts mit dem Rausch zu tun hat. Er entsteht durch die Abbauprodukte im Urin, betrifft regelmäßige Anwender und ist im fortgeschrittenen Stadium nicht mehr umkehrbar — bis hin zur Entfernung der Blase. Häufiger Harndrang ist hier ein Grund aufzuhören, nicht ein Grund abzuwarten.

Wechselwirkungen

5 erfasst
Gefährlich

Atemdepression und Erbrechen bei ausgefallenen Schutzreflexen. Die gefährlichste und zugleich häufigste Kombination. Zur Kombination →

Opioide
Gefährlich

Atemdepression addiert sich, die dissoziative Wirkung verschleiert die Warnzeichen.

Gefährlich

Dieselbe Mechanik. Bewusstlosigkeit tritt bei Mengen auf, die einzeln unauffällig wären. Zur Kombination →

Stimulanzien
Vorsicht

Kreislaufbelastung steigt, die Einschätzung der eigenen Dosis leidet. Häufige Ursache für unbemerktes Nachlegen.

Cannabis
Vorsicht

Verstärkt Übelkeit und Desorientierung deutlich.

Was darüber hinaus gilt

Stabile Seitenlage — Schritt für Schritt

Bei jeder bewusstlosen Person, die normal atmet. Sie verhindert genau das, woran in diesem Feld die meisten Menschen sterben: Ersticken am eigenen Erbrochenen.

Wenn es schwierig wird — was hilft

Angst, Kontrollverlust, das Gefühl, es hört nie auf. In aller Regel vorübergehend und ohne Rettungsdienst zu bewältigen — solange man weiß, wo die Grenze zum Notfall liegt.

Toleranz und Kreuztoleranz

Toleranz baut sich ungleichmäßig auf: die erwünschte Wirkung verschwindet schneller als die gefährliche. Und ihr Verlust ist gefährlicher als ihr Aufbau.

Wenn es schwierig wird

Was zählt, wenn jemand nicht mehr ansprechbar ist:

01

Stabile Seitenlage, sofort. Die Schutzreflexe sind ausgesetzt; Erbrechen im Liegen auf dem Rücken ist die reale Todesursache.

02

Dableiben, Atmung im Blick behalten. Nicht allein lassen, auch nicht „nur kurz“.

03

Rettungsdienst bei flacher oder unregelmäßiger Atmung, blauen Lippen, Krampfen — und sagen, was genommen wurde.

04

Nicht aufsetzen oder herumführen. Stürze aus dem Stand sind die häufigste Verletzungsursache.

Toleranz

Aufbau
Stunden

Steigt innerhalb einer Sitzung deutlich — die zweite Linie wirkt schwächer als die erste, obwohl die Belastung dieselbe bleibt.

Rückbildung
1 – 2 Wochen

Die Blasenschädigung bildet sich dagegen nicht zuverlässig zurück. Häufigkeit ist hier das Risiko, nicht die Einzeldosis.

Woher es kommt

Calvin Stevens 1923–2014
Chemiker · Wayne State University, für Parke-Davis

Synthetisierte Ketamin 1962 im Auftrag, einen Ersatz für Phencyclidin zu finden — dessen Aufwachphase für Patienten und Personal kaum auszuhalten war. Die erste Anwendung am Menschen war 1964 an Freiwilligen in einem Gefängnis in Michigan.

1956
Phencyclidin scheitert

PCP wirkt als Narkosemittel, aber die Aufwachphase ist für Patienten und Personal kaum auszuhalten. Parke-Davis sucht einen Ersatz.

1962
Calvin Stevens synthetisiert Ketamin

Kürzer wirksam, besser steuerbar. 1970 zugelassen; im Vietnamkrieg wird es breit eingesetzt, weil es die Atmung weitgehend in Ruhe lässt.

ab 2000
Zurück in der Medizin

Als schnell wirksames Mittel gegen schwere Depression — und zugleich als Substanz mit einem Blasenproblem, das man vorher nicht kannte.

Warum das hier steht: Ketamin wurde entwickelt, WEIL sein Vorgänger unerträgliche Zustände auslöste. Dass es die Atmung schont, ist der Grund für seinen Einsatz in der Notfallmedizin — und macht die Kombination mit Dämpfenden nicht harmlos, sondern nur unauffälliger.

Jahreszahlen und Namen sind Angaben wie alle anderen auf dieser Seite und noch nicht belegt.

Struktur

Strukturformel von 2-(2-Chlorphenyl)-2-(methylamino)cyclohexan-1-on O NH Cl
C₁₃H₁₆ClNO 2-(2-Chlorphenyl)-2-(methylamino)cyclohexan-1-on

Belege

Diese Seite ist ein Entwurf und noch nicht belegt
[1][BELEG EINSETZEN — EMCDDA, Ketamine drug profile]
[2][BELEG EINSETZEN — Ketamin-assoziierte Uropathie, Fallserien]
[3][BELEG EINSETZEN — Pharmakokinetik nasal vs. intramuskulär]
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