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substanzen / stimulanzien / phenethylamine / amphetamin

Amphetamin

α-Methylphenethylamin · C₉H₁₃N
Stimulans Entwurf · ungeprüft

Setzt Dopamin und Noradrenalin frei. Der Schlafentzug ist nicht die Nebenwirkung, sondern dieselbe Wirkung — und das ist der Grund, warum es über Tage aus dem Ruder läuft.

Nach dem zweiten Tag ohne Schlaf ist das Problem nicht mehr die Substanz

Verwirrtheit, Misstrauen und Wahrnehmungsstörungen, die nach mehreren Tagen auftreten, gehen häufiger auf den fehlenden Schlaf zurück als auf den Wirkstoff — und sie bilden sich mit Schlaf zurück. Wer das nicht weiß, legt nach, weil er den Zustand für Erschöpfung hält. Das ist die Spirale, an deren Ende die Notaufnahme steht. Dazu: was als Amphetamin verkauft wird, ist häufig stark gestreckt und der Gehalt schwankt zwischen Chargen um ein Vielfaches.

Beschreibt Wirkungen und Risiken, empfiehlt keinen Konsum, ersetzt keine ärztliche Beratung. Mengen gelten für gesunde Erwachsene ohne Vormedikation und ohne Toleranz.

Wann davon abzuraten ist

Abraten

Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen. Die Belastung steigt früher als das Gefühl.

Abraten

MAO-Hemmer. Blutdruckkrise, in Einzelfällen tödlich verlaufen.

Vorsicht

Psychose in der eigenen oder familiären Vorgeschichte — bei Schlafentzug steigt das Risiko deutlich.

Vorsicht

Hitze und körperliche Anstrengung. Die Wärmeregulation ist gestört, während man sich mehr zumutet.

Wirkung

körperlich und kognitiv
Körperlich
steigt
Herzfrequenz und Blutdruck

Deutlich und über Stunden. Die Belastung steigt früher, als das Gefühl es nahelegt.

steigt
Körpertemperatur

Vor allem bei Anstrengung und in warmen Räumen.

sinkt
Appetit

Ausgeprägt und über den ganzen Wirkzeitraum. Nach mehreren Tagen sind Flüssigkeits- und Nährstoffmangel ein eigenes Problem.

steigt
Kiefermuskulatur

Zähneknirschen und Kieferpressen, oft unbemerkt bis zum Muskelkater am nächsten Tag.

sinkt
Schlafbedürfnis

Nicht gedeckt, sondern unterdrückt. Das ist nicht die Nebenwirkung, sondern dieselbe Wirkung.

steigt
Pupillen

Erweitert, mit Lichtempfindlichkeit als Folge.

Kognitiv
steigt
Antrieb und Wachheit

Die erwünschte Wirkung, über viele Stunden.

steigt
Selbsteinschätzung

Die eigene Leistung wird besser bewertet, als sie ist. Der Abstand zwischen gefühlter und gemessener Leistung ist hier größer als bei allem anderen auf dieser Seite.

sinkt
Aufmerksamkeitsbreite

Fokussierung auf Einzelnes, häufig auf Nebensächliches. Stundenlanges Beschäftigen mit etwas Belanglosem ist typisch.

steigt
Misstrauen und Wahrnehmungsstörungen

Nach mehreren Tagen ohne Schlaf. Sie gehen häufiger auf den Schlafentzug zurück als auf den Wirkstoff — und bilden sich mit Schlaf zurück.

Ab dem zweiten Tag ohne Schlaf lässt sich nicht mehr trennen, was vom Wirkstoff kommt und was vom fehlenden Schlaf. Diese Unterscheidung ist der Kern der Seite.

Dosierung

oral · sulfat, ohne toleranz
Stufe Menge Erwartbar
Schwelle5–10 mgleichte Wachheit
Leicht10–20 mgAntrieb, Konzentration, Appetit weg
Normal20–40 mgdeutliche Wirkung, Puls und Blutdruck steigen
Stark40–75 mgUnruhe, Kieferpressen, Herzklopfen
Sehr stark≥ 75 mgKreislaufbelastung, Angst, Überhitzung

Tabelle seitlich verschiebbar →

Angaben für Amphetaminsulfat oral. Die Reinheit von Straßenware liegt oft weit darunter und schwankt zwischen Chargen erheblich.

!

Nasal ist nicht dasselbe wie oral. Die Wirkung flutet schneller an und fühlt sich stärker an, hält aber kürzer — und genau das verkürzt den Abstand bis zum Nachlegen. Bei nasaler Anwendung kommt die Schädigung der Nasenschleimhaut dazu, die sich bei regelmäßigem Konsum nicht vollständig zurückbildet.

Wirkdauer

Anflutung
20–60 min
Peak
2–3 h
Gesamt
6–10 h
Nachwirkung
12–24 h
Anflutung 60 min Peak 3 h Einnahme 4 h 8 h 12 h 16 h

Der zeitliche Verlauf, nicht die Stärke: die Höhe ist der Anteil am eigenen Höhepunkt und hat keine Einheit. Sie stammt aus denselben vier Werten wie die Tabelle darüber — die obere Grenze jeder Spanne, also der längere der beiden Verläufe. Die Nachwirkung reicht über die Achse hinaus, bis 1.4 d nach der Einnahme.

Die lange Nachwirkung ist der Teil, der unterschätzt wird: auch wenn nichts mehr zu spüren ist, findet der Körper stundenlang nicht in den Schlaf. Wer dann nachlegt, verschiebt das Problem auf den nächsten Tag und vergrößert es.

Pharmakologie

was im Körper geschieht
Angriffspunkt

Es blockiert nicht, es pumpt. Amphetamin wird über dieselben Transporter in die Nervenzelle aufgenommen, die sonst Dopamin und Noradrenalin zurückholen, verdrängt die Botenstoffe aus ihren Speicherbläschen und kehrt dann die Transportrichtung um. Der Botenstoff wird also aktiv hinausbefördert. Daraus folgen zwei Dinge: es wirkt auch dann, wenn die Zelle gar nicht feuert — und es leert die Speicher, statt sie zu schonen. Der Einbruch danach ist keine Nebenwirkung, sondern die Rechnung.

Aufnahme

Oral 30 bis 60 Minuten, nasal deutlich schneller. Als freie Base ist es flüchtig und reizt die Schleimhaut stark; was auf der Straße gehandelt wird, ist meist das Sulfat und stark gestreckt.

Abbau

Teils über CYP2D6 in der Leber, teils unverändert über die Niere — und dieser zweite Weg hängt am Säuregehalt des Urins. Bei saurem Urin wird deutlich schneller ausgeschieden, bei basischem deutlich langsamer. Die Halbwertszeit reicht deshalb von etwa sieben bis über dreißig Stunden, bei ein und derselben Person.

Zwei Formen

Amphetamin gibt es spiegelbildlich in zwei Varianten. Die rechtsdrehende wirkt zentral etwa drei- bis viermal stärker als die linksdrehende. Verschriebene Präparate enthalten meist gezielt die eine, gehandeltes Pulver enthält beide zu gleichen Teilen — bei gleicher Milligrammzahl ist das nicht dieselbe Wirkung.

Der Wirkmechanismus erklärt, warum Nachlegen hier besonders wenig bringt: die Speicher, aus denen die Wirkung kommt, sind nach Stunden weitgehend leer. Was die zweite und dritte Portion noch hinzufügen, ist überwiegend die kardiovaskuläre Belastung und der Schlafentzug — nicht die Wirkung, wegen der nachgelegt wird.

Wechselwirkungen

6 erfasst
Gefährlich

Blutdruckkrise durch massiv verstärkte Noradrenalinwirkung. In Einzelfällen tödlich verlaufen. Zur Kombination →

Weitere Stimulanzien
Gefährlich

Kreislaufbelastung addiert sich, ohne dass es sich stärker anfühlt — die Rückmeldung des Körpers hilft hier am wenigsten.

Alkohol
Vorsicht

Überdeckt die Müdigkeit, hebt die Beeinträchtigung nicht auf. Man trinkt mehr, weil man weniger merkt.

MDMA
Vorsicht

Kreislaufbelastung und Überhitzungsrisiko addieren sich; die serotonerge Belastung steigt mit.

Ketamin
Vorsicht

Die Einschätzung der eigenen Dosis leidet — häufige Ursache für unbemerktes Nachlegen.

Cannabis
Vorsicht

Herzfrequenz steigt stärker als bei einem der beiden allein; Angst und Herzklopfen treten häufiger auf.

Was darüber hinaus gilt

Toleranz und Kreuztoleranz

Toleranz baut sich ungleichmäßig auf: die erwünschte Wirkung verschwindet schneller als die gefährliche. Und ihr Verlust ist gefährlicher als ihr Aufbau.

Wenn es schwierig wird — was hilft

Angst, Kontrollverlust, das Gefühl, es hört nie auf. In aller Regel vorübergehend und ohne Rettungsdienst zu bewältigen — solange man weiß, wo die Grenze zum Notfall liegt.

Drugchecking — was die Verfahren können

Ein Reagenztest sagt, was drin ist. Er sagt nicht, wie viel — und er schließt nichts aus. Der Unterschied zwischen den Verfahren ist genau der Unterschied, der zählt.

Wenn es schwierig wird

Unruhe, Herzrasen, Misstrauen — was zählt:

01

Nicht nachlegen. Was sich wie Erschöpfung anfühlt, ist oft der Schlafentzug, und der wird durch mehr nicht besser.

02

Ruhiger Ort, weniger Reize, etwas trinken und essen. Der Appetit fehlt, der Bedarf nicht.

03

Schlaf ist die Behandlung. Auch drei Stunden verändern den Zustand grundlegend.

04

Bei Brustschmerz, unregelmäßigem Puls, Krampfanfall oder starker Überhitzung: 144 (AT) oder 112 (EU).

Toleranz

Aufbau
Tage

Die weckende und stimmungshebende Wirkung lässt schnell nach, die Belastung für Herz und Kreislauf bleibt. Mit der Zeit bleibt also die riskante Wirkung übrig, während die erwünschte verschwindet.

Rückbildung
Tage bis Wochen

Eine psychische Abhängigkeit ist gut beschrieben. Der Entzug ist selten körperlich gefährlich, aber Antriebslosigkeit und gedrückte Stimmung können Wochen anhalten.

Woher es kommt

Gordon Alles 1901–1963
Pharmakologe · Los Angeles

Nicht der Erste, der es herstellte — das war 1887 Lazăr Edeleanu in Berlin, der keine Wirkung beschrieb. Alles suchte 1929 ein Asthmamittel, probierte die Substanz an sich selbst und fand, wonach 42 Jahre lang niemand gesucht hatte.

1887
Erstmals synthetisiert

Lazăr Edeleanu stellt es in Berlin her und beschreibt keine Wirkung — er suchte etwas anderes.

1929
Gordon Alles findet die Wirkung

Er sucht ein Asthmamittel und probiert es an sich selbst. Ab 1932 als Benzedrin im Handel, zunächst als Inhalator gegen verstopfte Nase.

1939–1945
Militärischer Massengebrauch

Auf allen Seiten des Zweiten Weltkriegs, in Deutschland als Pervitin (Methamphetamin). Der Schlafentzug als Kriegsmittel — und die Folgen wurden damals systematisch nicht erhoben.

Warum das hier steht: Von der Synthese bis zur ersten Beschreibung der Wirkung vergingen 42 Jahre. Und der erste Masseneinsatz war einer, bei dem niemand nach Nebenwirkungen fragte — was bis heute in der Datenlage nachhallt.

Jahreszahlen und Namen sind Angaben wie alle anderen auf dieser Seite und noch nicht belegt.

Struktur

Strukturformel von α-Methylphenethylamin NH₂
C₉H₁₃N α-Methylphenethylamin

Belege

Diese Seite ist ein Entwurf und noch nicht belegt
[1][BELEG EINSETZEN — EMCDDA, Amphetamine drug profile]
[2][BELEG EINSETZEN — Reinheitsdaten aus Drugchecking-Stellen]
[3][BELEG EINSETZEN — Schlafentzug und Psychoserisiko]
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