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substanzen / stimulanzien / xanthine / koffein

Koffein

1,3,7-Trimethylxanthin · C₈H₁₀N₄O₂
Stimulans geprüft 14.02.2026

Blockiert Adenosin‑Rezeptoren im Zentralnervensystem und verzögert dadurch das Einsetzen von Müdigkeit. Der Schlafbedarf wird nicht gedeckt, sondern verschoben.

Beschreibt Wirkungen und Risiken, empfiehlt keinen Konsum, ersetzt keine ärztliche Beratung. Mengen gelten für gesunde Erwachsene ohne Vormedikation und ohne Toleranz.

Wirkung

körperlich und kognitiv
Körperlich
steigt
Herzfrequenz und Blutdruck

Messbar, meist mild. Bei Ungewohnten deutlicher als bei täglichen Trinkern.

steigt
Muskelkraft und Ausdauer

Einer der wenigen Effekte, die im Sport gut belegt sind.

steigt
Zittern

Ab etwa 300 mg bei Ungewohnten. Feinmotorische Aufgaben werden dadurch schlechter, nicht besser.

steigt
Magensäure

Auch bei entkoffeiniertem Kaffee — daran ist nicht das Koffein allein schuld.

steigt
Harndrang

Leicht harntreibend. Der oft behauptete Flüssigkeitsverlust gleicht sich bei gewohnten Mengen weitgehend aus.

sinkt
Schlaftiefe

Auch dann, wenn das Einschlafen gelingt. Eine Dosis um 16 Uhr ist um Mitternacht noch zur Hälfte da.

Kognitiv
steigt
Wachheit

Vor allem bei Übermüdung. Bei Ausgeschlafenen ist der Zugewinn klein — und bei Gewöhnung kaum von der Aufhebung des Entzugs zu trennen.

steigt
Reaktionszeit

Kürzer, und das verlässlich messbar.

in beide Richtungen
Konzentration

Einfache und eingeübte Aufgaben werden besser, komplexe und kreative eher nicht.

steigt
Unruhe und Angst

Ab mittleren Mengen. Bei Angsterkrankungen deutlich früher und deutlicher.

Bei täglichem Konsum ist ein Teil dessen, was wie Wirkung aussieht, die Aufhebung des Entzugs. Der erste Kaffee stellt dann eher den Normalzustand her, als dass er ihn übertrifft.

Dosierung

oral · einzeldosis
Stufe Menge Erwartbar
Schwelle20–40 mgkaum wahrnehmbar
Leicht40–90 mgWachheit, leichter Antrieb
Normal90–180 mgKonzentration, Herzfrequenz steigt
Stark180–300 mgUnruhe, Zittern, Magendruck
Sehr stark≥ 300 mgHerzrasen, Angst — nicht empfohlen

Tabelle seitlich verschiebbar →

Filterkaffee ≈ 80–120 mg, Espresso ≈ 50–80 mg.

Wirkdauer

Anflutung
5–20 min
Peak
30–60 min
Abklingen
3–6 h
Nachwirkung
2–8 h
Anflutung 20 min Peak 60 min Einnahme 2.4 h 4.8 h 7.2 h 9.6 h

Der zeitliche Verlauf, nicht die Stärke: die Höhe ist der Anteil am eigenen Höhepunkt und hat keine Einheit. Sie stammt aus denselben vier Werten wie die Tabelle darüber — die obere Grenze jeder Spanne, also der längere der beiden Verläufe. Die Nachwirkung reicht über die Achse hinaus, bis 14 h nach der Einnahme.

Halbwertszeit ≈ 5 h. Bei hormoneller Verhütung oder eingeschränkter Leberfunktion deutlich länger — eine Dosis am Nachmittag reicht dann bis in die Nacht.

Pharmakologie

was im Körper geschieht
Angriffspunkt

Adenosin sammelt sich im Lauf des Tages an und meldet Müdigkeit, indem es an seine Rezeptoren bindet. Koffein hat eine ähnliche Form, besetzt denselben Platz und löst das Signal nicht aus. Der Schlafbedarf wird also nicht gedeckt, sondern nur nicht mehr gemeldet — er ist weiterhin da und wird später fällig.

Aufnahme

Nahezu vollständig aus dem Magen-Darm-Trakt, Blutspiegelmaximum nach 30 bis 60 Minuten. Es überwindet die Blut-Hirn-Schranke mühelos und verteilt sich im gesamten Körperwasser — auch über die Plazenta und in die Muttermilch.

Abbau

Über CYP1A2 in der Leber, zu Paraxanthin, Theobromin und Theophyllin — alle drei sind selbst wirksam. Die Aktivität dieses Enzyms schwankt stark: Rauchen verdoppelt sie etwa, hormonelle Verhütung halbiert sie, und in der Schwangerschaft sinkt sie auf einen Bruchteil. Dieselbe Tasse wirkt deshalb bei verschiedenen Menschen verschieden lang.

Ausscheidung

Als Abbauprodukte über die Niere; weniger als drei Prozent verlassen den Körper unverändert.

Der Kopfschmerz im Entzug hat einen sichtbaren Mechanismus. Bei täglicher Zufuhr bildet der Körper mehr Adenosinrezeptoren, um gegenzuhalten. Fällt das Koffein weg, trifft das angesammelte Adenosin auf all diese zusätzlichen Rezeptoren — die Gefäße im Gehirn weiten sich, und genau das ist der Schmerz. Er beginnt nach zwölf bis vierundzwanzig Stunden und verschwindet, sobald die Zahl der Rezeptoren wieder gesunken ist.

Wechselwirkungen

5 erfasst
Gefährlich

Abbau gehemmt, Blutdruck und Herzfrequenz können stark steigen. Gilt auch für pflanzliche Präparate mit MAO-hemmender Wirkung. Zur Kombination →

Weitere Stimulanzien
Gefährlich

Kardiovaskuläre Belastung addiert sich. Herzrasen und Blutdruckspitzen treten früher auf, als die subjektive Wirkung vermuten lässt.

Alkohol
Vorsicht

Überdeckt die sedierende Wirkung, hebt die Beeinträchtigung aber nicht auf. Fahr- und Urteilsfähigkeit werden dadurch regelmäßig überschätzt.

Nikotin
Vorsicht

Rauchen beschleunigt den Abbau um etwa die Hälfte. Nach dem Aufhören wirkt dieselbe Menge spürbar stärker.

L-Theanin
Unkritisch

Keine bekannten Risiken. Wird häufig zusammen eingenommen, um Unruhe abzumildern.

Was darüber hinaus gilt

Toleranz und Kreuztoleranz

Toleranz baut sich ungleichmäßig auf: die erwünschte Wirkung verschwindet schneller als die gefährliche. Und ihr Verlust ist gefährlicher als ihr Aufbau.

Toleranz

Aufbau
≈ 7 Tage

Die weckende Wirkung lässt zuerst nach; die Wirkung auf Herzfrequenz und Blutdruck bleibt länger bestehen.

Rückbildung
7 – 12 Tage

Entzug — Kopfschmerz, Müdigkeit, Reizbarkeit — beginnt nach 12 bis 24 Stunden und hält zwei bis neun Tage an.

Woher es kommt

Friedlieb Ferdinand Runge 1794–1867
Chemiker · Jena, später Oranienburg

Isolierte 1819 als Erster reines Koffein. Er entdeckte im Lauf seines Lebens auch das Anilin und die Papierchromatographie — und starb trotzdem verarmt, nachdem ihn seine Fabrik entlassen hatte.

1819
Friedlieb Ferdinand Runge isoliert es in Jena

Angeblich auf Anregung Goethes, der ihm eine Schachtel Kaffeebohnen mitgab. Runge nannte den Stoff Kaffeebase.

1895
Emil Fischer klärt die Struktur auf

Und stellt Koffein als erster künstlich her. Er bekommt 1902 den Nobelpreis, auch dafür.

1903
Coca-Cola nimmt das Kokain heraus

Das Koffein bleibt drin — und ist bis heute der Grund, warum Colagetränke in jede Rechnung gehören.

Warum das hier steht: Koffein ist die einzige Substanz auf dieser Seite, deren Menge fast niemand zusammenzählt. Genau deshalb steht auf der MAO-Hemmer-Kombination, dass Kaffee, Cola, Energydrinks und Schmerztabletten sich addieren.

Jahreszahlen und Namen sind Angaben wie alle anderen auf dieser Seite und noch nicht belegt.

Struktur

Strukturformel von 1,3,7-Trimethylxanthin N N N N O O
C₈H₁₀N₄O₂ 1,3,7-Trimethylxanthin

Belege

[1]EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies: Scientific Opinion on the safety of caffeine. EFSA Journal, 2015.
[2][BELEG EINSETZEN — Übersichtsarbeit zu Pharmakokinetik und Halbwertszeit]
[3][BELEG EINSETZEN — Studie zu Toleranzentwicklung und Entzugssymptomatik]
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