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144 · 112

Bewusstlosigkeit, Krampfanfall, Atemnot — sofort anrufen.

substanzen / stimulanzien / tropane / kokain

Kokain

Benzoylmethylecgonin · C₁₇H₂₁NO₄
Stimulans Entwurf · ungeprüft

Kurz, stark und dadurch selbstverstärkend: die Wirkung ist nach einer halben Stunde vorbei, die Kreislaufbelastung nicht. Mit Alkohol entsteht im Körper ein eigener, länger wirksamer Stoff.

Herzinfarkt auch bei jungen Menschen ohne Vorerkrankung

Kokain verengt die Herzkranzgefäße und erhöht gleichzeitig den Sauerstoffbedarf des Herzens. Infarkte sind bei Menschen unter dreißig ohne jede Vorerkrankung beschrieben, und das Risiko ist in der ersten Stunde nach der Einnahme am höchsten. Brustschmerz nach Kokain ist ein Notruf — und der Rettungsdienst muss wissen, was genommen wurde, weil die übliche Erstbehandlung mit Betablockern hier schaden kann.

Beschreibt Wirkungen und Risiken, empfiehlt keinen Konsum, ersetzt keine ärztliche Beratung. Mengen gelten für gesunde Erwachsene ohne Vormedikation und ohne Toleranz.

Wann davon abzuraten ist

Abraten

Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Gefäßerkrankungen, Schwangerschaft.

Abraten

Zusammen mit Alkohol. Im Körper entsteht daraus Cocaethylen — ein eigener Stoff, der länger wirkt und die Herzbelastung erhöht.

Vorsicht

Bei Krampfleiden. Kokain senkt die Krampfschwelle.

Vorsicht

Regelmäßiger nasaler Konsum. Die Schädigung der Nasenscheidewand entsteht schleichend und bildet sich nicht zurück.

Wirkung

körperlich und kognitiv
Körperlich
steigt
Herzfrequenz und Blutdruck

Steil und sofort. Zugleich verengen sich die Herzkranzgefäße — beides zusammen ist der Mechanismus hinter Infarkten bei jungen Menschen.

sinkt
Gefäße

Sie verengen sich überall, nicht nur am Herzen. Die Nasenschleimhaut wird schlecht durchblutet und geht bei regelmäßiger Anwendung zugrunde.

steigt
Körpertemperatur

Besonders zusammen mit Anstrengung.

sinkt
Örtliches Gefühl

Es betäubt — das war die ursprüngliche medizinische Anwendung. Verletzungen werden dadurch nicht bemerkt.

sinkt
Appetit und Schlaf

Beides deutlich, und über die Wirkdauer hinaus.

steigt
Pupillen

Erweitert, träge auf Licht.

Kognitiv
steigt
Selbstsicherheit und Antrieb

Kurz und steil — und genau deshalb wird nachgelegt.

sinkt
Risikoeinschätzung

Der Teil, der zuerst ausfällt. Er ist der Grund, warum die meisten Zwischenfälle nicht an der Substanz hängen, sondern an dem, was unter ihrer Wirkung entschieden wird.

steigt
Verlangen nach mehr

Ausgeprägter als bei den länger wirksamen Stimulanzien. Der steile Abfall ist das Suchtmerkmal.

steigt
Reizbarkeit und Misstrauen

Beim Abklingen und über eine lange Nacht zunehmend.

Kurze Wirkung und steiler Abfall sind hier das eigentliche Merkmal — nicht die Stärke. Fast alles, was schiefgeht, hängt am Nachlegen und nicht an der ersten Portion.

Dosierung

nasal · ohne toleranz
Stufe Menge Erwartbar
Schwelle10–20 mgleichte Wachheit
Leicht20–40 mgAntrieb, gehobene Stimmung
Normal40–75 mgdeutliche Wirkung, Puls und Blutdruck steigen
Stark75–120 mgUnruhe, Herzklopfen, Selbstüberschätzung
Sehr stark≥ 120 mgKreislaufbelastung, Angst, Krampfrisiko

Tabelle seitlich verschiebbar →

Angaben nasal für reines Kokainhydrochlorid. Straßenware ist regelmäßig gestreckt, teils mit pharmakologisch wirksamen Stoffen.

!

Die kurze Wirkdauer ist das eigentliche Risiko. Nach 20 bis 40 Minuten ist wenig zu spüren, während Blutdruck, Puls und Gefäßverengung noch bestehen. Die nächste Linie trifft also auf einen Körper, der die vorige noch trägt — und über einen Abend addiert sich das zu einer Menge, die niemand mehr überblickt. Verbreitete Streckmittel wie Levamisol haben eigene Risiken bis hin zu schweren Blutbildveränderungen.

Wirkdauer

Anflutung
1–5 min
Peak
15–30 min
Gesamt
45–90 min
Nachwirkung
2–6 h
Anflutung 5 min Peak 30 min Einnahme 36 min 72 min 1.8 h 2.4 h

Der zeitliche Verlauf, nicht die Stärke: die Höhe ist der Anteil am eigenen Höhepunkt und hat keine Einheit. Sie stammt aus denselben vier Werten wie die Tabelle darüber — die obere Grenze jeder Spanne, also der längere der beiden Verläufe. Die Nachwirkung reicht über die Achse hinaus, bis 7.5 h nach der Einnahme.

Die Wirkung endet deutlich vor der Kreislaufbelastung. Genau in dieser Lücke wird nachgelegt — und deshalb entsteht die gefährliche Gesamtmenge über den Abend, nicht in einer einzelnen Portion.

Pharmakologie

was im Körper geschieht
Angriffspunkt

Es blockiert die Wiederaufnahmetransporter für Dopamin, Noradrenalin und Serotonin. Anders als Amphetamin setzt es nichts frei — es verhindert nur das Aufräumen. Deshalb braucht es eine feuernde Zelle, und deshalb ist die Wirkung an den Blutspiegel gekoppelt: sie steigt und fällt mit ihm, ohne Plateau. Dazu blockiert es Natriumkanäle, was die örtlich betäubende Wirkung erklärt — und einen Teil der Rhythmusstörungen.

Aufnahme

Nasal fünf bis zwanzig Minuten, geraucht in Sekunden. Die Halbwertszeit liegt bei etwa 45 bis 90 Minuten — kürzer als bei allem anderen auf dieser Seite.

Abbau

Durch Esterasen im Blut und in der Leber, überwiegend zu Benzoylecgonin. Das ist selbst nicht wirksam, bleibt aber tagelang nachweisbar — deshalb misst jeder Urintest dieses Abbauprodukt und nicht die Substanz.

Mit Alkohol entsteht etwas Drittes

Sind beide zugleich da, baut die Leber sie nicht getrennt ab, sondern setzt sie zusammen: es entsteht Cocaethylen. Das ist ein eigener Wirkstoff mit längerer Halbwertszeit und höherer Belastung für das Herz. Es ist der einzige Fall auf dieser Seite, in dem aus zwei Substanzen im Körper eine dritte wird.

Ein erheblicher Teil des gehandelten Kokains ist mit Levamisol gestreckt, einem Entwurmungsmittel. Es kann die weißen Blutkörperchen zerstören — mit Fieber, hartnäckigen Infektionen und Hautveränderungen als Folge. Das ist keine Wirkung der Substanz, sondern eine des Markts, und deshalb steht sie hier.

Wechselwirkungen

6 erfasst
Gefährlich

Im Körper entsteht Cocaethylen, ein eigener Stoff mit längerer Wirkdauer und höherer Herzbelastung. Die Kombination ist mit einem deutlich erhöhten Risiko für plötzlichen Herztod verbunden. Zur Kombination →

Gefährlich

Blutdruckkrise durch verstärkte Noradrenalinwirkung. Zur Kombination →

Weitere Stimulanzien
Gefährlich

Kreislaufbelastung addiert sich; das Infarktrisiko steigt überproportional.

Opioide
Vorsicht

Die gegenläufigen Wirkungen verschleiern sich gegenseitig. Wenn das Stimulans nachlässt, bleibt die Atemdepression — und niemand rechnet damit.

Cannabis
Vorsicht

Herzfrequenz steigt stärker als bei einem der beiden allein.

Ketamin
Vorsicht

Die Einschätzung der eigenen Menge leidet; unbemerktes Nachlegen ist die Folge.

Was darüber hinaus gilt

Toleranz und Kreuztoleranz

Toleranz baut sich ungleichmäßig auf: die erwünschte Wirkung verschwindet schneller als die gefährliche. Und ihr Verlust ist gefährlicher als ihr Aufbau.

Drugchecking — was die Verfahren können

Ein Reagenztest sagt, was drin ist. Er sagt nicht, wie viel — und er schließt nichts aus. Der Unterschied zwischen den Verfahren ist genau der Unterschied, der zählt.

Wenn es schwierig wird — was hilft

Angst, Kontrollverlust, das Gefühl, es hört nie auf. In aller Regel vorübergehend und ohne Rettungsdienst zu bewältigen — solange man weiß, wo die Grenze zum Notfall liegt.

Wenn es schwierig wird

Herzrasen, Brustdruck, Angst — hier zählt eine Unterscheidung:

01

Brustschmerz oder Druck in der Brust: 144 (AT) oder 112 (EU), sofort. Und sagen, dass Kokain im Spiel war — das ändert die Behandlung.

02

Hinsetzen, nicht bewegen, nichts nachlegen. Anstrengung erhöht den Sauerstoffbedarf des Herzens genau dann, wenn er ohnehin steigt.

03

Kein Alkohol dazu, auch nicht zum Runterkommen.

04

Bei Angst und Herzrasen ohne Brustschmerz: ruhiger Ort, langsam atmen, jemand dabei. Es klingt in der Regel innerhalb einer Stunde ab.

Toleranz

Aufbau
Innerhalb eines Abends

Die Wirkung lässt schon während desselben Abends nach, die Kreislaufbelastung nicht. Das ist der Mechanismus hinter der steigenden Menge — nicht mangelnde Beherrschung.

Rückbildung
Tage

Eine ausgeprägte psychische Abhängigkeit ist gut beschrieben und entsteht schneller als bei den meisten anderen Substanzen hier.

Woher es kommt

Albert Niemann 1834–1861
Chemiker · Göttingen

Isolierte 1859 Kokain aus Coca-Blättern und beschrieb den betäubenden Effekt auf der Zunge. Er starb zwei Jahre später mit 26 — vermutlich an den Folgen seiner Arbeit mit Senfgas, das er ebenfalls als Erster beschrieben hatte.

1859
Albert Niemann isoliert es in Göttingen

Aus Coca-Blättern, die Seefahrer mitgebracht hatten. Er beschreibt den betäubenden Effekt auf der Zunge und stirbt zwei Jahre später mit 26.

1884
Karl Koller macht Augenoperationen möglich

In Wien, als erstes Lokalanästhetikum überhaupt. Sigmund Freud, der im selben Umfeld arbeitete, empfahl es zugleich gegen Depression und Morphinsucht — mit Folgen, die er später bereute.

1886–1903
Coca-Cola

Das Getränk enthielt Coca-Extrakt, bis er entfernt wurde. Der Name blieb.

Warum das hier steht: Kokain war zuerst ein medizinischer Durchbruch — schmerzfreie Augenoperationen gab es vorher nicht. Dass derselbe Stoff die Gefäße verengt, ist genau der Grund für beides: für die Betäubung und für den Herzinfarkt.

Jahreszahlen und Namen sind Angaben wie alle anderen auf dieser Seite und noch nicht belegt.

Struktur

Strukturformel von Benzoylmethylecgonin N O O O O
C₁₇H₂₁NO₄ Benzoylmethylecgonin

Belege

Diese Seite ist ein Entwurf und noch nicht belegt
[1][BELEG EINSETZEN — EMCDDA, Cocaine drug profile]
[2][BELEG EINSETZEN — Cocaethylen: Bildung und kardiovaskuläre Wirkung]
[3][BELEG EINSETZEN — Kokain-assoziierter Myokardinfarkt, Übersichtsarbeit]
[4][BELEG EINSETZEN — Levamisol als Streckmittel, Fallserien]
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