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144 · 112

Bewusstlosigkeit, Krampfanfall, Atemnot — sofort anrufen.

substanzen / depressiva / gaba-modulatoren / benzodiazepine

Benzodiazepine

Wirkstoffgruppe · Diazepam, Alprazolam, Lorazepam u. a.
Depressivum Entwurf · ungeprüft

Verstärken die hemmende Wirkung von GABA und dämpfen dadurch Angst, Anspannung und Wachheit. Allein selten tödlich — zusammen mit einem zweiten Dämpfenden die häufigste tödliche Konstellation überhaupt.

Zwei Dämpfende zusammen — und der Entzug

Zwei Risiken stehen über allen anderen, und beide sind nicht die Menge selbst. Erstens: mit Alkohol, Opioiden, GHB oder Ketamin verstärken sich die Wirkungen überproportional — Bewusstlosigkeit und Atemdepression treten bei Mengen auf, die einzeln unauffällig wären. Zweitens: nach längerer täglicher Einnahme ist das abrupte Absetzen lebensgefährlich. Krampfanfälle und Delir sind beschrieben. Absetzen gehört ausschleichend und ärztlich begleitet.

Beschreibt Wirkungen und Risiken, empfiehlt keinen Konsum, ersetzt keine ärztliche Beratung. Diese Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig; nichts hier ersetzt die Entscheidung darüber, ob und wie sie genommen werden.

Wann davon abzuraten ist

Nicht ohne ärztliche Begleitung absetzen

Nach täglicher Einnahme über Wochen kann abruptes Absetzen zu Krampfanfällen und Delir führen. Das unterscheidet diese Gruppe von fast allen anderen Substanzen — hier ist das Aufhören der gefährliche Teil.

Nicht mit anderen Dämpfenden

Alkohol, Opioide, GHB, Ketamin, sedierende Antihistaminika. Diese Kombination ist der Hauptmechanismus hinter den Todesfällen, die dieser Gruppe zugeschrieben werden.

Nicht fahren, auch am Folgetag nicht

Die langwirksamen Vertreter beeinträchtigen noch, wenn subjektiv nichts mehr zu spüren ist. Reaktionszeit und Urteilsvermögen sind länger betroffen als das Müdigkeitsgefühl.

Nicht als Dauerlösung gegen Angst oder Schlaflosigkeit

Die Wirksamkeit lässt nach Wochen nach, die Abhängigkeit nicht. Was danach als Angst zurückkommt, ist häufig der Entzug und nicht das ursprüngliche Problem.

Wirkung

körperlich und kognitiv
Körperlich
sinkt
Muskelspannung

Deutlich — medizinisch genutzt, und zugleich einer der Gründe für Stürze bei älteren Menschen.

sinkt
Atmung

Allein meist gering. Zusammen mit Alkohol, Opioiden, GHB oder Ketamin überproportional, und das ist die häufigste tödliche Konstellation überhaupt.

sinkt
Koordination und Gangsicherheit

Über Stunden, bei den langwirksamen Vertretern bis in den Folgetag.

steigt
Schlaf

Das Einschlafen geht schneller, der Tiefschlafanteil sinkt jedoch. Der Schlaf ist länger, nicht besser.

steigt
Krampfschwelle

Angehoben — deshalb sind Benzodiazepine das Notfallmedikament bei Krampfanfällen. Beim Absetzen kehrt sich das um.

steigt
Entzugserscheinungen

Nach täglicher Einnahme über Wochen. Krampfanfälle und Delir sind beschrieben; hier ist das Aufhören der gefährliche Teil.

Kognitiv
sinkt
Angst und Anspannung

Schnell und zuverlässig. Genau das macht die Gruppe so schwer wieder abzusetzen.

sinkt
Erinnerungsbildung

Neue Erinnerungen werden schlechter angelegt. Diese Eigenschaft wird in der Medizin genutzt — und sie ist der Grund für den Missbrauch bei Übergriffen.

sinkt
Urteilsvermögen

Deutlicher, als es sich anfühlt. Die Selbsteinschätzung der Fahrtüchtigkeit ist hier ähnlich unzuverlässig wie unter Alkohol.

steigt
Enthemmung

Bei einem Teil der Menschen kippt die Wirkung ins Gegenteil: Unruhe, Reizbarkeit, Aggression. Häufiger bei älteren Menschen und bei Kindern.

Die Gruppe ist uneinheitlich: was hier steht, gilt für alle, aber Stärke und Dauer unterscheiden sich zwischen den Wirkstoffen um ein Vielfaches.

Dosierung

wirkstoffäquivalente, oral · näherungswerte
Wirkstoff ≈ 10 mg Diazepam Halbwertszeit Anmerkung
Diazepam10 mg20–100 hBezugsgröße; aktive Abbauprodukte verlängern erheblich
Alprazolam0,5 mg6–12 hkurz und stark — hohes Abhängigkeitspotenzial
Lorazepam1 mg10–20 hgängiges Notfallmedikament
Clonazepam0,5 mg18–50 hsehr lang wirksam
Oxazepam20 mg4–15 hkeine aktiven Abbauprodukte
Mit Alkohol oder Opioidenkeine sichere MengeAtemdepression bei Mengen, die einzeln unauffällig wären

Tabelle seitlich verschiebbar →

Näherungswerte. Die Äquivalenzen schwanken zwischen Quellen und gelten nicht für den Einzelfall.

!

Warum diese Tabelle Äquivalente zeigt und keine Konsumstufen: die Unfälle entstehen hier fast nie daran, dass jemand eine Stufe zu hoch greift, sondern daran, dass 1 mg Alprazolam und 1 mg Diazepam für dasselbe gehalten werden — der Faktor dazwischen ist zwanzig. Dazu kommt: gefälschte Tabletten enthalten häufig gar keine der hier gelisteten Wirkstoffe, sondern nicht verschreibungsfähige Abwandlungen wie Etizolam, Flualprazolam oder Bromazolam, in unbekannter Stärke. Was wie „Xanax“ aussieht, ist regelmäßig etwas anderes.

Wirkdauer

Anflutung
15–60 min
Peak
1–2 h
Wirkung
4–12 h
Halbwertszeit
4–100 h
Anflutung 60 min Peak 2 h Einnahme 3 h 6 h 9 h 12 h

Der zeitliche Verlauf, nicht die Stärke: die Höhe ist der Anteil am eigenen Höhepunkt und hat keine Einheit. Sie stammt aus denselben vier Werten wie die Tabelle darüber — die obere Grenze jeder Spanne, also der längere der beiden Verläufe.

Die Spanne ist die eigentliche Auskunft: zwischen Oxazepam und Diazepam liegen bei der Halbwertszeit mehr als zwanzig Stunden. Bei den langwirksamen Vertretern reichert sich der Wirkstoff bei täglicher Einnahme an — die Beeinträchtigung am fünften Tag hat mit der Menge des fünften Tages wenig zu tun.

Pharmakologie

was im Körper geschieht
Angriffspunkt

Sie öffnen den GABA-A-Rezeptor nicht selbst, sondern verstärken, was GABA dort ohnehin tut — sie setzen an einer eigenen Stelle des Rezeptors an und erhöhen dessen Ansprechbarkeit. Genau darin liegt der Grund, warum eine Überdosis allein selten tödlich ist: ohne körpereigenes GABA passiert nichts, die Wirkung hat also eine eingebaute Obergrenze. Alkohol, Opioide und GHB haben diese Grenze nicht — und in Kombination fällt sie weg.

Warum die Wirkstoffe so verschieden sind

Alle greifen am selben Rezeptor an; sie unterscheiden sich in der Bindungsstärke und in der Halbwertszeit. Ein Milligramm Alprazolam entspricht etwa zwanzig Milligramm Diazepam — der Faktor zwanzig ist eine Eigenschaft des Moleküls, keine der Anwendung. Diese Zahl nicht zu kennen, ist die häufigste Ursache für Zwischenfälle innerhalb der Gruppe.

Abbau

Über CYP3A4 und CYP2C19 in der Leber. Diazepam bildet dabei aktive Abbauprodukte, die selbst noch tagelang wirken — daher die Halbwertszeit von bis zu hundert Stunden. Oxazepam und Lorazepam werden direkt gekoppelt und ausgeschieden, ohne aktives Zwischenprodukt; sie sind deshalb bei eingeschränkter Leberfunktion und im Alter besser steuerbar.

Anreicherung

Bei täglicher Einnahme eines langwirksamen Vertreters steigt der Spiegel über Tage weiter an, bis Zufuhr und Abbau sich die Waage halten. Die Beeinträchtigung am fünften Tag hat deshalb wenig mit der Tablette des fünften Tages zu tun — ein Zusammenhang, den weder die Person noch das Umfeld herstellt.

Was als „Xanax“ gehandelt wird, enthält häufig gar keinen der zugelassenen Wirkstoffe, sondern nicht verschreibungsfähige Abwandlungen wie Etizolam, Flualprazolam oder Bromazolam — in unbekannter Stärke und mit unbekannter Dauer. Für diese Substanzen gilt weder die Äquivalenztabelle noch irgendeine Erfahrung mit der Gruppe. Es ist der Bereich, in dem eine Tablette am wenigsten über ihren Inhalt aussagt.

Wechselwirkungen

6 erfasst
Gefährlich

Beide dämpfen die Atmung, und zwar überproportional. Die häufigste tödliche Konstellation überhaupt — sie wirkt verzögert, oft im Schlaf. Zur Kombination →

Opioide
Gefährlich

Dieselbe Mechanik, noch enger. Ein erheblicher Teil der Opioid-Todesfälle geht auf diese Kombination zurück, nicht auf das Opioid allein.

Gefährlich

Atemdepression bei gleichzeitig ausgesetzten Schutzreflexen. Erbrechen im Liegen ist hier die reale Todesursache. Zur Kombination →

Gefährlich

Sehr enge Sicherheitsspanne, in Kombination praktisch keine mehr. Zur Kombination →

Cannabis
Vorsicht

Sedierung addiert sich; Desorientierung und Erinnerungslücken treten häufiger auf als bei einem der beiden allein.

Koffein
Vorsicht

Überdeckt die Müdigkeit, hebt die Beeinträchtigung aber nicht auf. Fahr- und Urteilsfähigkeit werden dadurch überschätzt.

Was darüber hinaus gilt

Stabile Seitenlage — Schritt für Schritt

Bei jeder bewusstlosen Person, die normal atmet. Sie verhindert genau das, woran in diesem Feld die meisten Menschen sterben: Ersticken am eigenen Erbrochenen.

Toleranz und Kreuztoleranz

Toleranz baut sich ungleichmäßig auf: die erwünschte Wirkung verschwindet schneller als die gefährliche. Und ihr Verlust ist gefährlicher als ihr Aufbau.

Drugchecking — was die Verfahren können

Ein Reagenztest sagt, was drin ist. Er sagt nicht, wie viel — und er schließt nichts aus. Der Unterschied zwischen den Verfahren ist genau der Unterschied, der zählt.

Wenn es schwierig wird

Wenn abgesetzt werden soll — das ist hier der gefährliche Teil, nicht die Einnahme:

01

Nicht abrupt absetzen. Nach täglicher Einnahme über Wochen sind Krampfanfälle und Delir beschrieben. Das ist keine Vorsichtsformel, sondern eine der wenigen Situationen, in denen das Aufhören tödlich verlaufen kann.

02

Ausschleichen, ärztlich begleitet. Übliche Schemata reduzieren über Wochen bis Monate, oft nach Umstellung auf einen langwirksamen Vertreter.

03

Angst, Schlaflosigkeit und Unruhe beim Reduzieren sind häufig Entzug und nicht die Rückkehr des ursprünglichen Problems. Diese Unterscheidung ist der Grund, warum es Begleitung braucht.

04

Bei Krampfanfall, Verwirrtheit oder Fieber während des Absetzens: 144 (AT) oder 112 (EU).

Toleranz

Aufbau
Wochen

Gegen die beruhigende und schlafanstoßende Wirkung baut sich Toleranz binnen Wochen auf. Gegen die Atemdepression in Kombination mit anderen Dämpfenden nicht im selben Maß — der Abstand zwischen gewohnter und gefährlicher Menge wird also kleiner, nicht größer.

Rückbildung
Monate

Körperliche Abhängigkeit kann sich innerhalb weniger Wochen täglicher Einnahme entwickeln. Kreuztoleranz besteht zu Alkohol und zu anderen dämpfenden Wirkstoffen.

Woher es kommt

Leo Sternbach 1908–2005
Chemiker · Hoffmann-La Roche, Nutley

Legte die Substanz 1955 als unbrauchbar beiseite. Zwei Jahre später schickte sie ein Mitarbeiter beim Aufräumen doch noch in den Tierversuch. Sternbach floh 1941 als Jude aus Europa; Roche hatte ihn in die Schweiz und dann in die USA gebracht.

1955
Leo Sternbach synthetisiert etwas Unbrauchbares

Bei Hoffmann-La Roche in New Jersey. Die Substanz wirkt in ersten Tests nicht wie erhofft und wandert ins Regal.

1957
Beim Aufräumen wiedergefunden

Ein Mitarbeiter schickt die liegengebliebene Probe doch noch in die Tierversuche. Sie wirkt beruhigend und muskelentspannend.

1960 / 1963
Librium, dann Valium

Valium wird das meistverkaufte Medikament der westlichen Welt. Die Abhängigkeit wird erst in den Siebzigern breit erkannt — nach über einem Jahrzehnt Massenverschreibung.

Warum das hier steht: Der Abstand zwischen Markteinführung und der Erkenntnis, dass diese Mittel abhängig machen, betrug mehr als zehn Jahre. Er ist der Grund, warum auf der Entzugsseite steht: das Aufhören ist hier der gefährliche Teil.

Jahreszahlen und Namen sind Angaben wie alle anderen auf dieser Seite und noch nicht belegt.

Struktur

Strukturformel von Grundgerüst der 1,4-Benzodiazepine NH N O
C₁₅H₁₂N₂O Grundgerüst der 1,4-Benzodiazepine

Das ist das Grundgerüst, das alle Vertreter teilen — kein einzelner Wirkstoff. Was sie voneinander unterscheidet, sind die Reste daran; daher kommen die Faktoren in der Äquivalenztabelle oben.

Belege

Diese Seite ist ein Entwurf und noch nicht belegt
[1][BELEG EINSETZEN — Äquivalenztabelle, u. a. Ashton-Manual; Werte gegen eine zweite Quelle abgleichen]
[2][BELEG EINSETZEN — Leitlinie zum Benzodiazepin-Entzug]
[3][BELEG EINSETZEN — Todesfälle in Kombination mit Opioiden, Registerdaten]
[4][BELEG EINSETZEN — Warnmeldungen zu Designer-Benzodiazepinen in gefälschten Tabletten]
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