Glossar
Die 16 Begriffe, die auf den übrigen Seiten vorausgesetzt werden. Jeder Eintrag sagt, was er bedeutet — und was er für eine Entscheidung bedeutet.
Agonist
Ein Stoff, der einen Rezeptor aktiviert — im Unterschied zum Antagonisten, der ihn besetzt, ohne ihn auszulösen.
Worauf es ankommt: Deshalb hebt Naloxon als Antagonist eine Opioidwirkung auf, während ein zweites Opioid sie verstärkt. Und deshalb sind synthetische Cannabinoide als volle Agonisten eine andere Risikoklasse als THC, ein Teilagonist.
Anflutung
Die Zeit zwischen Einnahme und dem Einsetzen der Wirkung.
Worauf es ankommt: Die wichtigste Zahl auf jeder Wirkdauertabelle: sie bestimmt, wie lange jemand versucht ist nachzulegen. Bei Essbarem mit 30 bis 120 Minuten ist sie der Grund für die meisten überwältigenden Erfahrungen mit Cannabis.
Äquivalenzdosis
Wie viel eines Wirkstoffs derselben Wirkung eines anderen entspricht.
Worauf es ankommt: Bei Benzodiazepinen der Unterschied zwischen einer ruhigen Nacht und einer Notaufnahme: zwischen 1 mg Alprazolam und 1 mg Diazepam liegt der Faktor zwanzig.
Aspiration
Erbrochenes gelangt in die Luftwege, weil Schluck- und Hustenreflex ausgesetzt haben.
Worauf es ankommt: Die reale Todesursache bei Alkohol mit Ketamin oder Benzodiazepinen — nicht die Atemdepression allein. Genau deshalb ist die stabile Seitenlage dort keine Vorsichtsmaßnahme, sondern die Maßnahme.
Atemdepression
Der Atemantrieb wird gedrosselt: die Atmung wird flacher und langsamer, im Extremfall setzt sie aus.
Worauf es ankommt: Der Mechanismus, an dem in diesem Feld die meisten Menschen sterben — fast immer in Kombination. Unter etwa acht Atemzügen pro Minute ist es ein Notfall.
Halbwertszeit
Die Zeit, in der die Hälfte des Wirkstoffs abgebaut oder ausgeschieden ist. Nach etwa fünf Halbwertszeiten ist praktisch nichts mehr da.
Worauf es ankommt: Sie ist nicht dasselbe wie die Wirkdauer — oft ist sie deutlich länger. Bei täglicher Einnahme reichert sich ein lang wirksamer Stoff an: der Spiegel am fünften Tag hat mit der Menge des fünften Tages wenig zu tun.
Hyponatriämie
Zu wenig Natrium im Blut, meist durch zu viel Wasser bei gleichzeitig gestörter Ausscheidung.
Worauf es ankommt: Der Grund, warum bei MDMA nicht nur zu wenig, sondern auch zu viel Trinken tödlich verlaufen ist. Beide Fehler sind belegt.
Immunoassay
Das Verfahren hinter jedem Drogenschnelltest: Antikörper erkennen Stoffgruppen anhand ihrer Form.
Worauf es ankommt: Es erkennt Gruppen, nicht Stoffe — deshalb die Fehlalarme, und deshalb fallen neuere Wirkstoffe durch, auf die niemand geeicht hat. Ein Ergebnis gilt erst nach Bestätigung im Labor.
Krampfschwelle
Wie viel Reizung das Gehirn verträgt, bevor ein Krampfanfall ausgelöst wird. Manche Stoffe senken sie.
Worauf es ankommt: Der Mechanismus hinter mehreren der gefährlichsten Kombinationen: Tramadol senkt sie, Alkohol im Abklingen ebenso, Bupropion deutlich. Zwei davon zusammen sind nicht die Summe, sondern ein Anfall.
Kreuztoleranz
Toleranz gegen einen Stoff überträgt sich auf einen anderen derselben Klasse.
Worauf es ankommt: Wer an Alkohol gewöhnt ist, reagiert auch auf Benzodiazepine anders. Bei Psychedelika wirkt am Tag nach einer Einnahme auch ein anderes kaum — das ist Pharmakologie und nicht Einbildung.
Metabolit
Ein Abbauprodukt. Was der Körper aus einem Stoff macht, bevor er ihn ausscheidet.
Worauf es ankommt: Drogentests messen fast immer den Metaboliten und nicht den Stoff. Deshalb sagt ein positiver Test nichts darüber, ob jemand gerade beeinträchtigt ist — und deshalb bleibt manches länger nachweisbar als es wirkt.
Serotoninsyndrom
Ein Zuviel an Serotonin: Zittern, Muskelzuckungen, gesteigerte Reflexe, Fieber, Verwirrtheit. Entwickelt sich über Stunden und geht nicht von allein zurück.
Worauf es ankommt: Das Risiko hinter jeder Kombination aus MDMA und etwas Serotonergem — MAO-Hemmer, Tramadol, manche Antidepressiva. Fieber über 38 °C mit Muskelzucken ist der Notruf.
Set und Setting
Set ist die innere Verfassung, Setting die Umgebung. Zusammen mit der Substanz die dritte Größe, die einen Verlauf bestimmt.
Worauf es ankommt: Bei Psychedelika die stärkste der drei. Bei Depressiva und Opioiden fast bedeutungslos — Atemdepression interessiert nicht, wie die Stimmung war.
Sublingual
Unter der Zunge aufgenommen, an der Leber vorbei ins Blut.
Worauf es ankommt: Eine andere Aufnahmeform ist eine andere Wirkkurve: schneller im Anfluten, oft stärker bei gleicher Menge. Mengenangaben gelten immer für eine bestimmte Form.
Toleranz
Dieselbe Menge wirkt weniger. Entsteht über Rezeptoranpassung, beschleunigten Abbau und gelernte Kompensation.
Worauf es ankommt: Sie entsteht ungleichmäßig: die erwünschte Wirkung verschwindet meist schneller als die gefährliche. Und ihr Verlust nach einer Pause ist gefährlicher als ihr Aufbau.
Zerebrale Krampfanfälle
Unkontrollierte Entladungen im Gehirn: Versteifung, Zuckungen, Bewusstseinsverlust.
Worauf es ankommt: Umgebung räumen, etwas Weiches unter den Kopf, nichts in den Mund, nicht festhalten, Zeit stoppen. Über fünf Minuten oder ein zweiter Anfall: Notruf. Danach in jedem Fall Rettungsdienst.
Hier steht nur, was auf den übrigen Seiten tatsächlich vorkommt und dort nicht erklärt wird. Ein Glossar, das alles erklärt, was in der Pharmakologie ein Wort hat, erklärt nichts — es wird zur zweiten Enzyklopädie neben der ersten.
Keine Werbung, keine Konten, keine Messung — und deshalb keine anderen Einnahmen.