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substanzen / stimulanzien / entaktogene / mdma

MDMA

3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin · C₁₁H₁₅NO₂
Entaktogen Entwurf · ungeprüft

Schüttet Serotonin, Noradrenalin und Dopamin aus, statt sie nur an der Wiederaufnahme zu hindern. Die Erschöpfung der Serotoninspeicher erklärt sowohl die Nachwirkung als auch, warum kurze Abstände die Wirkung verschlechtern und das Risiko erhöhen.

Überhitzung und Wassermangel — und der Fehler in die andere Richtung

Die häufigste tödliche Komplikation ist Hyperthermie: durchtanzen in warmer Umgebung, ohne Pause. Der zweithäufigste Fehler ist die Überkorrektur — zu viel Wasser ohne Elektrolyte führt zu Hyponatriämie, die ebenso tödlich enden kann. Richtwert bei körperlicher Aktivität: etwa ein halber Liter pro Stunde, mit Salz, plus regelmäßige Pausen im Kühlen.

Beschreibt Wirkungen und Risiken, empfiehlt keinen Konsum, ersetzt keine ärztliche Beratung. In Österreich und Deutschland dem Suchtmittel- bzw. Betäubungsmittelrecht unterstellt.

Wann davon abzuraten ist

Abraten

Einnahme von MAO-Hemmern, Herzerkrankungen, unbehandelter Bluthochdruck, Serotonin-wirksame Medikamente, Schwangerschaft.

Vorsicht

Depression oder Angststörung in Behandlung, warme oder enge Umgebung ohne Rückzugsmöglichkeit, Alleinsein.

Wirkung

körperlich und kognitiv
Körperlich
steigt
Körpertemperatur

Der zentrale Punkt. Zusammen mit Tanzen und einem warmen Raum ist die Überhitzung die häufigste Todesursache.

in beide Richtungen
Wasserhaushalt

MDMA hält Wasser im Körper zurück. Zu viel trinken ist deshalb ein eigener Todesweg — die Wasservergiftung trifft überproportional junge Frauen.

steigt
Herzfrequenz und Blutdruck

Deutlich und über Stunden.

steigt
Kiefermuskulatur

Zähneknirschen, oft ausgeprägt. Zahnschäden über die Jahre sind häufig.

steigt
Pupillen

Weit, und träge auf Licht — eines der zuverlässigsten äußeren Zeichen.

sinkt
Appetit

Über die Wirkdauer hinaus.

Kognitiv
steigt
Nähe und Vertrauen

Die namensgebende Wirkung. Sie betrifft auch das Urteil darüber, wem zu trauen ist — und dieser Teil wird selten mitgedacht.

sinkt
Angst

Deutlich, und das ist der Grund für das Interesse der Forschung an dieser Substanz.

sinkt
Stimmung in den Tagen danach

Gedrückt, am stärksten meist am zweiten oder dritten Tag. Das ist der Serotoninhaushalt, der sich erst wieder füllt.

sinkt
Gedächtnis

Während der Wirkung deutlich. Bei häufiger Anwendung sind auch längerfristige Einbußen beschrieben.

Zwei der Todesursachen dieser Substanz stehen in der linken Spalte und haben nichts mit der Menge zu tun, sondern mit Wärme und mit Wasser.

Dosierung

oral · ohne toleranz
Stufe Menge Nach Gewicht Erwartbar
Schwelle30–50 mg≈ 0,5 mg/kgleichte Stimmungsaufhellung
Leicht50–80 mg≈ 0,8 mg/kgWärme, Gesprächigkeit
Normal80–120 mg1,0–1,5 mg/kgvolle Wirkung, Kiefer, Pupillen
Stark120–150 mg≈ 1,8 mg/kgNebenwirkungen nehmen deutlich zu
Sehr stark≥ 150 mgkein Mehr an Wirkung, nur an Risiko

Tabelle seitlich verschiebbar →

!

Mehr wirkt ab einem Punkt nicht besser, sondern schlechter. Oberhalb des normalen Bereichs steigen Herzfrequenz, Körpertemperatur und Nachwirkung, während die erwünschte Wirkung abflacht. Nachlegen — wenn überhaupt — höchstens die halbe Menge und nur einmal.

Wirkdauer

Anflutung
30–60 min
Peak
1,5–2,5 h
Gesamt
4–6 h
Nachwirkung
2–5 Tage
Anflutung 60 min Peak 2.5 h Einnahme 2.4 h 4.8 h 7.2 h 9.6 h

Der zeitliche Verlauf, nicht die Stärke: die Höhe ist der Anteil am eigenen Höhepunkt und hat keine Einheit. Sie stammt aus denselben vier Werten wie die Tabelle darüber — die obere Grenze jeder Spanne, also der längere der beiden Verläufe. Die Nachwirkung reicht über die Achse hinaus, bis 5.3 d nach der Einnahme.

Die Nachwirkung ist kein Kater, sondern die Erholung des Serotoninsystems — gedrückte Stimmung und Reizbarkeit, oft am zweiten oder dritten Tag am stärksten. Wer die Abstände unter drei Monate drückt, verschiebt genau das ins Chronische.

Pharmakologie

was im Körper geschieht
Angriffspunkt

Wie Amphetamin ein Freisetzer, aber mit deutlicher Verschiebung: es leert vor allem die Serotoninspeicher und dazu Dopamin und Noradrenalin. Es setzt außerdem Oxytocin frei — das ist die naheliegendste Erklärung für den Teil der Wirkung, der die Substanz von allen Stimulanzien unterscheidet. Der Einbruch in den Tagen danach ist dieselbe Wirkung von hinten gesehen: der Speicher, der geleert wurde, ist noch nicht wieder voll.

Aufnahme

Oral, Wirkbeginn nach 30 bis 90 Minuten. Was als Pille verkauft wird, schwankt im Gehalt zwischen Chargen um ein Vielfaches — bei einer Substanz mit dieser Kinetik ist das der wichtigste einzelne Unsicherheitsfaktor.

Abbau

Über CYP2D6 und CYP1A2 — und hier liegt die Besonderheit, die diese Substanz gefährlich macht: der Abbau ist nicht linear. MDMA hemmt genau das Enzym, das es abbaut. Die doppelte Menge ergibt deshalb mehr als den doppelten Blutspiegel, und die zweite Hälfte einer Pille wirkt stärker als die erste. Das ist der pharmakologische Grund, warum Nachlegen hier schlechter kalkulierbar ist als bei jeder anderen Substanz auf dieser Seite.

Ausscheidung

Zum Teil unverändert über die Niere. Etwa jeder Zwanzigste baut über CYP2D6 von Geburt an kaum ab und erreicht bei gleicher Menge deutlich höhere Spiegel — ohne es zu wissen.

Die nichtlineare Kinetik und die geleerten Speicher zeigen in dieselbe Richtung: mehr bringt weniger Wirkung und mehr Risiko. Das ist keine moralische Aussage, sondern das, was aus den beiden Punkten darüber folgt — und es ist der Grund, warum Abstände zwischen den Malen als die wirksamste einzelne Vorkehrung gelten.

Wechselwirkungen

5 erfasst
Gefährlich

Lebensgefährliches Serotoninsyndrom. Betrifft auch pflanzliche MAO-Hemmer und einige Antibiotika — eine der gefährlichsten Kombinationen überhaupt. Zur Kombination →

Gefährlich

Serotonerge Wirkung plus gesenkte Krampfschwelle. Krampfanfälle sind beschrieben. Zur Kombination →

SSRI / SNRI
Vorsicht

Dämpfen die Wirkung deutlich. Das Risiko liegt im Nachlegen, das daraus folgt — und in der serotonergen Summe.

Alkohol
Vorsicht

Verstärkt den Flüssigkeitsverlust und verschleiert Überhitzung. Die Kombination erschwert es, den eigenen Zustand einzuschätzen.

Stimulanzien
Vorsicht

Kreislaufbelastung und Überhitzungsrisiko addieren sich, ohne dass es sich stärker anfühlt.

Was darüber hinaus gilt

Antidepressiva und psychoaktive Substanzen

Was praktisch zu tun ist, wenn beides zusammenkommt — und woran ein Serotoninsyndrom zu erkennen ist. Was die Wirkstoffgruppen pharmakologisch unterscheidet, steht auf der Klassenseite.

Drugchecking — was die Verfahren können

Ein Reagenztest sagt, was drin ist. Er sagt nicht, wie viel — und er schließt nichts aus. Der Unterschied zwischen den Verfahren ist genau der Unterschied, der zählt.

Set und Setting — warum die Umstände mitwirken

Bei manchen Klassen verschieben die Umstände den Verlauf stärker als die Menge. Bei anderen fast gar nicht. Der Unterschied ist praktisch nutzbar.

Wenn es schwierig wird

Warnzeichen einer Überhitzung und was sofort zählt:

01

Sehr heiße, trockene Haut, Verwirrtheit, Muskelsteifheit, Krampfen — das ist ein Notfall. Rettungsdienst rufen und sagen, was genommen wurde.

02

Raus aus der Hitze, hinsetzen, Kleidung öffnen, aktiv kühlen — nasse Tücher, Nacken und Leisten.

03

In kleinen Schlucken trinken, nicht literweise. Elektrolyte, kein reines Wasser in großer Menge.

04

Bei Angst oder Kreislaufproblemen: raus aus dem Lärm, jemanden dabeihaben, nicht allein hinlegen.

Toleranz

Aufbau
sofort

Schon die zweite Einnahme im selben Monat wirkt spürbar schwächer und belastet stärker. Die Toleranz betrifft die erwünschte Wirkung zuerst.

Rückbildung
Monate

Als Faustregel gelten mindestens drei Monate Abstand. Sie ist kein Freibrief, sondern die Untergrenze, unterhalb derer das Risikoprofil deutlich schlechter wird.

Woher es kommt

Anton Köllisch 1888–1916
Chemiker · Merck, Darmstadt

Synthetisierte MDMA 1912 als Zwischenprodukt auf dem Weg zu einem blutstillenden Mittel. Er fiel im Ersten Weltkrieg und hat nie erfahren, was aus seiner Verbindung wurde — sie lag zu diesem Zeitpunkt noch 64 Jahre unbeachtet vor sich.

1912
Merck patentiert es in Darmstadt

Als Zwischenprodukt auf dem Weg zu einem blutstillenden Mittel, nicht als Wirkstoff. Die Wirkung interessierte niemanden; es wurde beiseitegelegt.

1976
Alexander Shulgin beschreibt die Wirkung

Er synthetisiert es neu und gibt es an Psychotherapeuten weiter. In den frühen Achtzigern wird es in der Paartherapie eingesetzt.

1985
Verbot in den USA

Zeitgleich mit der Verbreitung in der Clubkultur. Die therapeutische Anwendung endet, die andere nicht.

Warum das hier steht: MDMA lag 64 Jahre unbenutzt in einer Patentschrift. Das ist kein Kuriosum: es erklärt, warum die Sicherheitsdaten so dünn sind — niemand hat sie in der Zeit erhoben, in der man es gedurft hätte.

Jahreszahlen und Namen sind Angaben wie alle anderen auf dieser Seite und noch nicht belegt.

Struktur

Strukturformel von 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin O O NH
C₁₁H₁₅NO₂ 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin

Belege

Diese Seite ist ein Entwurf und noch nicht belegt
[1][BELEG EINSETZEN — EMCDDA, MDMA drug profile]
[2][BELEG EINSETZEN — Hyperthermie und Hyponatriämie, Fallserien]
[3][BELEG EINSETZEN — Serotonerge Neurotoxizität und Dosierungsabstände]
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