Das Tief danach — die Tage nach dem Abend
Entwurf · ungeprüftEin bis drei Tage später: gedrückte Stimmung, Reizbarkeit, Angst ohne Anlass. Vorhersehbar genug, um dafür zu planen — und regelmäßig für etwas anderes gehalten.
Das Tief bringt Gedanken über das eigene Leben, Beziehungen und die eigene Person mit, die sich zwingend und klar anfühlen. Sie sind ein Zustand, keine Erkenntnis. Wichtige Gespräche, Kündigungen und Trennungen gehören nicht in diese Tage. Kommen Gedanken an Selbstverletzung dazu, ist das der Punkt, an dem jemand dazugeholt wird — nicht der, an dem man es aussitzt.
Woher es kommt
Die verbreitete Erklärung lautet, das Serotonin sei aufgebraucht. Das ist zu einfach: gemessen wird eine vorübergehend verringerte Verfügbarkeit und eine veränderte Empfindlichkeit der Rezeptoren, aber das Bild eines leeren Tanks trifft es nicht. Dazu kommt, was den Abend ausgemacht hat und mit dem Stoff nichts zu tun hat — zu wenig Schlaf, zu wenig Essen, körperliche Erschöpfung, oft mehrere Tage hintereinander. Ein erheblicher Teil dessen, was als Nachwirkung erlebt wird, ist schlicht Schlafmangel.
Der zeitliche Verlauf ist bei Entaktogenen ziemlich einheitlich: Tag eins nach dem Konsum ist häufig noch ruhig bis gut, das Tief kommt am zweiten oder dritten Tag. Daher der englische Name für das Muster, wenn am Wochenende konsumiert wurde. Bei Stimulanzien setzt es früher ein und ist stärker an den Schlafmangel gekoppelt. In beiden Fällen ist es zeitlich begrenzt und klingt innerhalb weniger Tage ab.
Was den Verlauf ändert
Den Tag danach freihalten. Ein Tief mit Terminen ist ein anderes Tief.
Schlaf nachholen, regelmäßig essen, raus ins Tageslicht.
Vorher wissen, dass es kommt — das nimmt ihm den Schrecken und die Deutung.
Abstände einhalten. Der Abstand zwischen zwei Malen ist der größte einzelne Hebel.
Nachlegen am nächsten Tag. Verschiebt das Tief und vertieft es.
Alkohol dagegen — dämpft kurz und verschlechtert den Schlaf, der gerade das Wichtigste ist.
Nahrungsergänzung als Absicherung. Für die verbreiteten Empfehlungen gibt es keine belastbaren Belege, und sie ersetzen keinen Abstand.
Die Gedanken dieser Tage ernst nehmen wie sonst.
Wo die Grenze zur Depression liegt
Das Tief ist zeitlich begrenzt, hat einen erkennbaren Anlass und bessert sich mit Schlaf und Essen. Was sich über eine Woche hinauszieht, ohne Anlass wiederkommt, den Antrieb dauerhaft nimmt oder mit Gedanken an den eigenen Tod einhergeht, ist etwas anderes und gehört abgeklärt. Dasselbe gilt, wenn das Tief mit jedem Mal länger wird — das ist der Punkt, an dem aus einer Nachwirkung ein Muster wird.
Wer ohnehin Antidepressiva nimmt, findet die Zusammenhänge auf der eigenen Seite dazu; das Absetzen davor ist die falsche Antwort und im Zweifel der gefährlichere Teil.
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Warum der Abstand zwischen zwei Malen der wichtigste Hebel ist, steht bei der Toleranz.
Belege
Keine Werbung, keine Konten, keine Messung — und deshalb keine anderen Einnahmen.